Montag Nr. 17 – Der Hass zieht durch die Dunkelheit

19. März 2015 | News Redaktion

Seit Wochen spielt sich an der bekannten Straßenkreuzung Landsberger Allee/Blumberger Damm im Herzen Marzahns das immer gleiche Schauspiel ab. Die bürgerbewegten Nationalsozialist*innen um ihre “Anführer” Rene Uttke und Patrick Krüger versammeln sich ab 18:30 Uhr am Bauzaun des künftigen Conatiner-Lagers und gehen, egal wie viele Leute sich einfinden, um 19.30 Uhr quer durch den Kiez.
Zuvor erscheint wöchentlich auf der Internetpräsenz der Nazis ein verzweifelter Aufruf zur Teilnahme an dem Aufmarsch. Mal mit mehr oder weniger Pathos erinnern die Rassist*innen an die “schönen” alten Zeiten im November 2014 und versuchen daran anzuschließen.

Tatsächlich finden nur noch wenige “besorgte” Anwohner*innen den Weg an den Zaun. Auch das eingefleischte Nazi-Klientel scheint den Montag-Abend anders als auf den Marzahner Straßen zu verbringen.
Ca. 60 Neonazis kamen diesen Montag, den 16. März 2015, zusammen um wiederholt ihren Hass zu verbreiten. Wie gewohnt führten sie Berlin- und Deutschlandfahnen mit sich und auch das bekannte Transparent ihrer längst im Sande verlaufenen Kampagne “Deutschland braucht Perspektiven” durfte nicht fehlen. Mit mehreren Megaphonen versuchte Uttke etwas Stimmung in den über Wochen sichtlich verstummten Aufzug zu bringen – mit mäßigem Erfolg.

Die nun mehr 17.”Montagsdemo” führte von der genannten Straßenkreuzung über die Raoul-Wallenberg-Straße und die Lea-Grundig-Straße durch den Kiez. Letztlich zog der Aufmarsch wie üblich zum Ausgangspunkt zurück. Zwischendurch hatten sich bereits mehrere lauffaule Kamerad*innen verabschiedet.
Auch der Rückhalt im Kiez schwindet. Waren anfangs viele Anwohner*innen mit auf der Straße oder an den Balkonen zu sehen, ist es heute eher ein trauriges Bild. Oft wird von Uttke und Co. auf der Demo zu den Anwohnenden gesprochen, aber sieht man sich die Fassaden der Blöcke an, sind die Fenster leer, bzw. werden unter einem „tzzz“ die Fenster schnell geschlossen. Immer öfter gibt es auch genervte Kommentare, die durch die Platten schallen. Es wird sich sogar mehrfach schon über die letzten verbleibenden amüsiert: „dass es ja mehr Polizisten als Demonstranten seien“ oder „nur noch so wenige, dann sind die ja bald nur noch zu dritt unterwegs.“

Dass der Bezirk trotz weiterhin laufender rassistischer Hetze kaum Konsequenzen aus dem braunen Drama dieses Winters zieht, ist mehr als fragwürdig. Gerade nach Hellersdorf 2013 hatte sich doch gezeigt, dass es nicht ausreicht, wenn die Nazi-Demos enden. Ohne konsequente antifaschistische Gegenwehr, auch dann wenn gerade keine Nazis marschieren, können Rassist*innen Kräfte sammeln und ungestört agieren.

Weiterhin werden auch die Parteien Montag für Montag an der Kreuzung Blumberger Damm / Landsberger Allee stehen und ab 18:30 Uhr einen legalen Anlaufpunkt für Gegenprotest und Beobachtungen bieten.

Chronik der rassistischen Mobilisierungen und der Gegenproteste in Berlin