Recherche #4: Zahnlose Proteste gegen queere Veranstaltungen und WM-Randale

Anfang Mai wurde die dritte Recherche zu den "Deutschen Patrioten voran" (DPV) veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich bereits eine Reaktivierung der Nazigruppe um die aus der Untersuchungshaft entlassene Mandy Gietz ab. Die Mobilisierungen gegen CSDs in Brandenburg haben dabei eine wichtige Rolle gespielt. Gemeinsam mit der Berliner "Jägertruppe" (JT) und den Brandenburger Gruppierungen "Wolfsschar" und "Sektion Oderland" wurden Proteste gegen die CSDs in Frankfurt/Oder, Eberswalde und Müncheberg organisiert.
Dass die DPV derzeit Zulauf erhält, hat zudem mit der Razzia und der Verbotsdrohung gegen die "Deutsche Jugend voran" (DJV) Anfang Mai zu tun, die seitdem sämtliche öffentlichen Aktivitäten eingestellt hat, sowie mit der ideologischen Unbestimmtheit der DPV, im Vergleich zu der deutlich klarer nationalsozialistisch auftretenden "Jägertruppe" (JT). Von den Aktivitäten her war somit die DPV in den vergangenen Monaten (fast) die einzige wahrnehmbare Jungfascho-Gruppe in Berlin gewesen.
Nach der Razzia postete die DPV zuerst "Bleibt standhaft Kameraden", um dann für sich einen Alleinvertretungsanspruch zu formulieren: "DPV - eine Region. eine Stimme. eine Zukunft.".
Neben dem Zulauf neuer Mitglieder und der Einbindung des Gruppenumfelds wurden auch mehrere im letzten Jahr aktiven DPVler*innen wieder bei den Anti-CSD-Protesten aktiv.
Unterschiedliche Rahmenbedingungen zeigten aber auch, dass die DPV-Strategien so unflexibel sind, dass sie bei leichten Änderungen (Sichtbarkeit vor Ort, Gegenproteste, Polizeihandeln) nicht mehr funktionieren.
Alte und neue Mitglieder
Als Kerngruppe, die bei nahezu allen Aktivitäten dabei ist, lassen sich aktuell Mandy Gietz, Henning Klaus Gewald, Jason Hammerstein, Luca Sabransky, Anastasia und Susen Gietz ausmachen. Mandy Gietz, als Anführerin der Gruppe ist für die meisten Anmeldungen verantwortlich und tritt meist als Rednerin auf. Seit einiger Zeit unterstützt Gewald sie mit Anmeldungen, tritt als Redner auf und präsentiert sich öffentlich als Naziaktivist. Anastasia Gietz wurde an ihrem Geburtstag, dem 31. Juli, öffentlich auf Indymedia mit ihrem Wohnsitz in Brandenburg geoutet.
Die Neonazis "Jeremy", "John" und "Toni" fehlen bei fast keiner DPV-Aktivität, übernehmen Strukturaufgaben und werben online für die Gruppenaktivitäten.

Mehrere weitere Personen sind Teil von DPV, nehmen aber seltener an den Aktionen teil. Dazu zählen "Gin", "Sassi", "Dominik", Sean, "Ayleen", "Isabella" und "Haecker". Letztere ist die Ex-Partnerin von Jason Hammerstein und war Ende Juli wieder bei einer Kundgebung präsent. Der Hellersdorfer Sean war bereits im letzten Jahr auf Neonazi-Aufmärschen anzutreffen, so z.B. am 20. März 2025 am Ostkreuz. Seine Identifikation mit der DPV geht soweit, dass er seit Juni DPV-Sprühereien in Jugendclubs und an Graffiti-Halls in Hellersdorf hinterlässt. In Social Media posiert er weiterhin mit einer Schusswaffe. "Haecker" ist von dem "Berliner Patrioten" zur DPV gewechselt.
DPV-Mitglied Sean bei Sprüh-Versuchen und mit Schusswaffe
Die Naziproteste in der aktuellen Pridesaison mobilisieren auch zwischenzeitlich inaktive Mitglieder aus dem letzten Jahr wieder auf die Straße. Der Hohenschönhausener Luca Nitschke, der eher den Eindruck machte, sich der JN anzuschließen und in Frankfurt/Oder das "Jägertruppe"-Transparent trug, ist seit Juni wieder sichbar Teil der DPV-Gruppe. Er versucht darüber hinaus, seinen Hohenschönhausener Nazi-Freundeskreis, wie z.B. Unbekannt 6, zu den DPV-Aktivitäten mitzubringen.
Lucas Justin Glaser hat sich nach monatelanger Abwesenheit wieder öffentlich gezeigt. Bei DPV-Aktionen trat er als Anti-Antifa-Fotograf auf.
Auch Mandy Gietz' zweite Tochter Susen Gietz, die seit dem Sommer 2025 nicht mehr öffentlich aufgetreten war, ist seit Juni 2026 wieder fester Teil von DPV-Aktionen. Ebenso "Celina", die in Eberswalde die DPV-Fahne trug.
Aus dem Umfeld der Gruppe waren auf den Aufmärschen in Frankfurt/Oder und Eberswalde mehrere Personen aus Berlin und Brandenburg im DPV-Block, so "Ayleens" Schwester "Tanja", "Justin", "Leon" und Unbekannt 3, 4 und 5. "Justin" lief schon auf dem DJV-Aufmarsch am 14. Dezember 2024 in Hellersdorf mit und nahm seitdem regelmäßig an Aufmärschen teil. Unbekannt 5 ist Mitarbeiter der Berliner S-Bahn und macht aus seiner faschistischen Ideologie und Gewaltbereitschaft kein Geheimnis.
Bei der Person "Unbekannt 2" aus der 3. Rechercheveröffentlichung handelte es sich um den Essener Neonazi "Jules". Er ist nicht weiter im DPV-Kontext in Erscheinung getreten.

Künstliche Intelligenz
Woran es in der Gruppe an fehlt, wird mit KI kaschiert. Bei idyllischen Bildern von Wanderungen, Menschenmassen auf den eigenen Kundgebungen oder Protesttexten - die KI ist der eifrigste Mitarbeiter der DPV. Auch wenn die Veranstaltungen der Gruppe in den letzten Monaten nie von mehr als ein paar dutzend Neonazis besucht war, wurde für die Störaktion gegen den Berliner CSD mit einem KI-Bild von hunderten Deutschland-Fahnen schwingenden Menschen vor dem Brandenburger Tor verwendet.
Die Krönung der KI-Zurhilfenahme ist eine DPV-Hymne, die im Juli veröffentlicht wurde. Der Text des Rammstein-Verschnitts kippt dabei mehrfach ins Absurde, wenn die KI "Genderwahn" singt, als wäre es ein deutsches Wort, wenn der Sänger "Scheiß auf eure Islamisierung, euer Bunt, eure Wollmützen und euren geistesgestörten Dreck" brüllt und als letzte Zeile "Deutschland braucht deutsch!" fordert.
Nach dem Berliner CSD, und den damit verbundenen Verhaftungen mehrerer DPVler*innen, veröffentlichte die Gruppe ein KI-geschriebenes Proteststatement gegen Polizeiwillkür. Es war der erste Text der Gruppe mit mehr als sechs zusammenhängenden Sätzen.
Repression
Bei grundsätzlich jeder DPV-Aktivität kommt es zu einer oder mehreren Festnahmen. Meist ist Mandy Gietz betroffen. Anschließend eilen ihr mehrere Gruppenmitglieder zur Hilfe, die dann ebenfalls Anzeigen kassieren. So haben Jason Hammerstein, Anastasia und Susen Gietz, Lukas Justin Glaser und einige andere fleißig Kontakt mit den Staat bekommen.
Dabei reicht das Spektrum der Gründe von Beleidigungen, über Bewaffnung bei Kundgebungen bis hin zu körperlichen Angriffen. Nimmt man die offen zur Schau gestellte NS-Verherrlichung mit Adolf Hitler-Geburtstags-Glückwünschen, Nazimusik und gezeigten Hitlergrüßen noch dazu, wird auf die Gruppe und ihre Mitglieder ein erheblicher Repressionsdruck zukommen.
Überblick der Aktivitäten
8.5.2026 - Demmin
Am regional mobilisierten Neonaziaufmarsch in Mecklenburg-Vorpommern nahmen drei DPVler - Mandy Geitz, Lucas Justin Glaser und "John" - zusammen mit zwei Vertretern der "Jägertruppe" teil.
17.5.2026 - Buch
Mitte Mai berichtete die DPV von einer "Wanderung in alte deutsche Gebiete", gemeint war ein Ausflug zum Lost Place Altes Krankenhaus in Buch. Sieben DPVler - u.A. Mandy Gietz, "Jason", "Dominik", "Sassi", "Jeremy", "Toni" - waren da und fotografierten sich gegenseitig beim Zeigen des Hitlergrußes.
Am 20.5.2026 veröffentlichte die DPV ein Posting, das vermutlich als Reaktion auf die Recherche-Veröffentlichungen zu verstehen ist. Unter dem Titel "Anti Antifa - gegen Extremismus, Gewalt und ideologische Indoktrination" zeigt sich erneut, die politische Beliebigkeit, die die Gruppe nach außen präsentiert. So wird auf dem von einer KI erstellten Banner "kein Raum für Hass und Spaltung" und "für eine offene und demokratische Gesellschaft" gefordert. Wie das mit den Hitlergrüßen und Störaktionen bei Pride-Paraden inhaltlich zusammengeht, kann wahrscheinlich niemand aus der Gruppe erklären.
30.5.2026 - Frankfurt/Oder
Nur knapp 45 Neonazis nahmen an dem Aufmarsch auf dem Fußweg von DPV, JT, "Wolfsschar" und "Sektion Oderland", teil, davon 12 DPVler*innen - Mandy Gietz, Henning Klaus Gewald, Jason Hammerstein, Luca Sabransky, Luca Nitschke, "Dominik", "Sassi", "Jeremy", "John", Sean, Unbekannt 3, Unbekannt 4. Die DPV war mit zwei eigenen Transparenten ("Kein CSD hier! Wacht auf! Schützt die Kinder!" und "Deutsche wehrt euch!!!!") vertreten. Statt Mobilisierungserfolg standen Vernetzung und die Aktivierung der eigenen Leute im Vordergrund.
13.6.2026 - Eberswalde
Auch in Eberswalde kamen die vier organisierenden Gruppen nur auf 45 Neonazis. Die DPV stellte mit Gietz als Anmelderin und Gewald am Megafon, Glaser als Anti-Antifa-Fotograf einen Großteil der Struktur und mit 18 Teilnehmenden auch den größten Anteil der Anwesenden. Mit dabei waren Mandy Gietz, Henning Klaus Gewald, Jason Hammerstein, Luca Sabransky, Luca Nitschke, Anastasia Gietz, Susen Gietz, Lucas Justin Glaser, "Jeremy", "John", "Celina", "Toni", "Justin", "Ayleen", "Tanja", "Leon", Unbekannt 5 und Unbekannt 6. Die DPV konnte hier mit Susen Gietz und "Celina" zwei länger inaktive Mitglieder wieder auf die Straße bringen und das Umfeld der Gruppe einbeziehen ("Justin", "Tanja", "Leon", Unbekannt 5 und Unbekannt 6).
20.6.2026 - Marzahn-Pride
Am Rande der Marzahn-Pride tauchten sechs DPVler*innen ohne Anmeldung und ohne Plan auf. Mandy Gietz, Jason Hammerstein, Luca Sabransky, Sean, "John" und "Jeremy" wurden von Anfang an von der Polizei abgeschirmt, zwei Stunden in einer Maßnahme gehalten und dann mit Platzverweisen für Marzahn belegt. Vier von ihnen hielten sich nicht an die Verweise und verbrachten den Tag in der GESA.
27.6.2026 - Bernau
Auch für den CSD in Bernau war eine Aktion von DPV und JT geplant. Wie der CSD wurde auch diese Aktion wegen Hitze abgesagt.
29.6.2026 - UBER-Arena
Nach dem verlorenen Deutschland-Spiel randalierten mehrere Fans auf dem Platz an der UBER-Arena. Dabei wurden unter anderem die ehemalige DPVlerin Emmi Spickermann sowie Mandy und Anastasia Gietz festgenommen.
3.7.2026 - Müncheberg
An dem von DPV mit "Sektion Oderland" und "Wolfsschar" organisierten Aufmarsch nahmen 26 Personen, darunter mehrere AfDler, teil. Die DPV war zu elft - Mandy Gietz, Henning Klaus Gewald, Jason Hammerstein, Anastasia und Susen Gietz, Luca Sabransky, Luca Nitschke, Sean, "Jeremy", "Toni", "Gin" - vor Ort.
Am 9.7.2026 veröffentlichte DPV eine KI-Gruppenhymne mit den KI-Fake-Rockern "Fronthelden" und "Blutschwur". Das Lied klingt wie eine billige Rammstein-Kopie, bei der die KI mit allen Nazi-Parolen gegen CSDs gefüttert wurde.
25.7.2026 - CSD Berlin
Zum angekündigten Naziprotest gegen den Berliner CSD erschienen nur 18 Neonazis. Die Brandenburger Gruppen blieben ebenso, wie "Heimat" oder "III. Weg" fern. DPV war mit 10 Personen maßgeblich beteiligt - Mandy Gietz, Henning Klaus Gewald, Jason Hammerstein, Luka Sabransky, Anastasia und Susen Gietz, Luca Nitschke, "Jeremy", "Gin", "Isabella".
Fazit
Nach den Durchsuchungen gegen die DJV am 6. Mai füllt die DPV, im Zusammenspiel mit der "Jägertruppe" und Brandenburger Neonazis, die organisatorische Lücke für Jungfaschos in Berlin.
Dass es dafür keinerlei strategische Überlegungen oder Analysen von erfolgreichen Aktionen benötigt, zeigt die DPV eindrucksvoll. Sie verfolgt in Bezug auf die Proteste gegen CSDs dieselbe Taktik, die der "III. Weg" Ende der 2010er Jahre erstmals austestete, die DJV und andere im Sommer 2024 etablierten und die damals für Aufsehen und Presseöffentlichkeit sorgten. Das ist inzwischen selten noch der Fall. CSD-Organisator*innen und staatliche Behörden haben sich inzwischen auf Störversuche eingestellt und Routinen entwickelt. Auch lassen sich - zumindest in Berlin und Brandenburg - nicht mehr Menschen als die eigenen Anhänger*innen mobilisieren. Mitglieder anderer Neonazi-Gruppierungen bleiben den DPV/JT-Aktionen fern.
Trotzdem versucht die DPV die Mini-Aufmärsche außerhalb von Sicht- und Hörweite von CSDs als Erfolge zu verkaufen. Sie dienen offensichtlich vor allem der Selbstbespielung, Vernetzung mit anderen Nazigruppen und der Produktion von Bildern für Social Media. Sobald dieser Rahmen verlassen wird, z.B. bei dem öffentlich angekündigten Störversuch ohne Anmeldung bei der Marzahn Pride, ist die DPV nicht in der Lage, Handlungen anzupassen und rennt besinnungslos in die Repression.
Das Auftreten der Gruppe auf Social Media mit KI-generierten, harmlos wirkenden Worthülsen von Gewaltfreiheit, Offenheit und Demokratie steht im krassen Widerspruch zum Auftreten der Gruppenmitglieder, zu Hitlergrüßen, Posieren mit Schusswaffen und natürlich der Organisation und der Teilnahme an Neonazi-Veranstaltungen.
Diese Recherche soll Ausgangspunkt für weitere Infos und Aktionen gegen diese und andere Berliner Neonazi-Gruppierungen sein. Die Neonazis können nur so frei agieren, wie wir sie lassen. Vielen Dank allen Antifa-Recherche-Fotokollektiven.
In dem Sinne: Organisiert euch und zerschlagt die Nazibanden!
Informationen zu der Gruppe können an recherche_pankow@systemli.org gesendet werden.
Vorige Veröffentlichungen:
Recherche #1
Recherche #2
Recherche #3
Weitere Artikel zum Thema
-
7. Mai 2026
-
15. November 2021
-
27. Juli 2026
-
29. März 2025
-
12. Mai 2026