Montag in Marzahn: 100 Nazis stehen im Regen

28. Januar 2015 | Gemeinsam gegen Rassismus

Am gestrigen Montag, den 26. Januar 2015, versammelten sich nun bereits zum 10. Mal organisierte Neonazis und rassistische Anwohner*innen an der Kreuzung Landsberger Allee / Blumberger Damm. Wie sich schon an den vergangenen Montagen abzeichnete, kann die Bürgerbewegung inzwischen nicht mehr an ihr Mobilisierungspotential von November und Dezember anknüpfen.

So kamen  auch in dieser Woche weniger Leute, um gegen Geflüchtete zu hetzen. Zur angekündigten Startzeit um 19 Uhr waren gerade einmal 20 Nazis vor Ort und nur langsam trudelten kleinere Grüppchen von Leuten ein.

Gegen 19.30 Uhr setzte sich die rassistische Demo mit knapp 100 Personen in Bewegung. Schon nach 200 Metern und auch später verschwanden immer  wieder Rassist*innen im Marzahner Kiez, vermutlich demoralisiert durch das schlechte Wetter und die weiterhin mangelnde Beteiligung. Den Endpunkt, der sich ebenfalls an der Kreuzung Blumberger Damm / Landsberger Allee befindet, erreichten somit nur noch 60 durchnässte und durchgefrorene Rassist*innen. Als Anmelder und Megaphonsprecher agierte wiederholt der bekannte Neonazi Rene Uttke. Einen eigenen Lautsprecherwagen gab es auch in dieser Woche nicht, nachdem ein vorheriger Facebook-Aufruf scheinbar ergebnislos blieb. Es gab lediglich ein Transparent ("Deutschland braucht Perspektiven") und keine Fahnen. Von selbst gemalten Schildern angeblicher "Anwohner*innen" ist schon lange keine Rede mehr. Auch die Sprechchöre fielen eher mager aus. "Bürger lasst das Glotzen sein,..." und "Steckt sie wieder in den Flieger" waren ein weiteres Mal die "Hits" des Abends. Die Moral ist offenbar im Keller.

Der weinerliche Aufruf, den die Neonazis auf ihrer Facebookseite veröffentlichten, in dem sie Quasi um die Teilnahme an der Demo bettelten, ist bezeichnend. Das Konzept der Nazis, im Kontext einer angeblichen "Bürgerbewegung" Anwohner*innen zu mobilisieren, geht nach nunmehr zwei Monaten nicht mehr auf. Dass hier organisierte Nazis, unter anderem von NPD, Die Rechte und sogenannten Freien Kräften, am Werk sind, haben die "besorgten Anwohner*innen" nun womöglich begriffen. Der massive Alkoholkonsum der Nazis tut sein Übriges.
Engagierte antifaschistische Aufklärungsarbeit und Widerstand auf der Straße haben das möglich gemacht.

Auch in dieser Woche gab es am Startpunkt der "Montagsdemo" eine  Gegenkundgebung. Etwa 50 Antifaschist*innen und engagierte Bürger*innen zeigten den nur noch wenigen und offensichtlich eher frustrierten Nazis,  dass sie in Marzahn nichts zu suchen haben.
Weiterhin ist Gegenprotest sehr wichtig! Wir werden die Nazis auch weiterhin nicht in Ruhe lassen, wenn sie aufmarschieren und ihre menschenverachtende Hetze verbreiten wollen. Die Kundgebung an der Kreuzung Landsberger Allee / Blumberger Damm wird auch in den kommenden Wochen bestehen bleiben und weiterhin antifaschistisch unterstützt. Eine gemeinsame Refugees-Welcome-Demo am östlichen Stadtrand ist in Planung.

Im Nachbarbezirk Lichtenberg, konkret in Hohenschönhausen/Falkenberg, wird antifaschistische Unterstützung ebenfalls gebraucht. Bereits am Mittwoch wollen Nazis dort wieder marschieren. Kommt zu den Gegenkundgebungen und zeigt auch dort, dass Rassist*innen auch am Stadtrand keinen ruhigen Rückzugsraum haben.

Weitere Infos findet ihr unter:

Chronik der rassistischen Mobilisierungen und der Gegenproteste in Berlin