Recherche #2: Austritte, Presseöffentlichkeit und Positionierungsdruck - Die Neonazitruppe „Deutsche Patrioten voran“

Seit der ersten Veröffentlichung zu den “Deutschen Patrioten voran” (DPV) vor einem Monat ist in der Berliner Neonaziszene nicht viel passiert. Durch den Artikel sind allerdings ein paar weitere Informationen zu der Struktur und ihren Mitgliedern ans Licht gekommen, die wir in diesem Folgeartikel zugänglich machen wollen.
Die Vorgeschichte
Mit den Anti-CSD-Mobilisierungen der DJV und den Aufmärschen von Ferhat Sentürk kam im Jahr 2024 Bewegung in die rechten Jugendcliquen in (Ost)Berlin. Diese suchten nach Wegen, sich zu organisieren. Einer dieser Versuche war eine Whatsapp-Gruppe, der mehrere dutzend rechter Jugendlicher angehörten. Mit dabei war unter anderem Jason Hammerstein. Die Gruppe vernetzte sich auch über Instagram unter dem Namen “Freundesgruppe Arschlöcher”. Das Profilfoto bei Instagram wurde vor dem Gangway-Container in Berlin-Blankenburg aufgenommen und zeigt einige rechte Jugendliche, die zu dieser Zeit an Neonazi-Aufmärschen teilnahmen. Nur drei Personen aus dieser Gruppe sind bis heute in der DPV aktiv - Jason Hammerstein, Luca Nitschke und “Unbekannt 1” (Zoe).
Der erste Gehversuch dieses Zusammenhangs erfolgte unter dem Label “Rechte stolze Jugend”, das jedoch scheinbar nicht vollständig überzeugte und deswegen nur intern genutzt wurde. In der Zeit traten die jungen Neonazis vor allem mit schwarz-rot-goldenen Fahnen in Erscheinung.
Der Aufmarsch von Ferhat Sentürk am 14. Dezember 2024 wurde von wenigen Personen der späteren DPV besucht. Lediglich Mandy Gietz, ihre Tochter und eine weitere („Unbekannt 2“ (Celina)) waren in Friedrichshain anwesend.
Am 4. Januar 2025 versuchte eine Gruppe Neonazis eine Wahlkampfkundgebung der Grünen in Tempelhof zu stören. Mit dabei waren Mandy Gietz, ihre Tochter, “Zoe” und „Unbekannt 11“.

Foto 1: Mandy Gietz und Tochter, 14.12.2024, Foto 2: "Unbekannt 11" (graue Jacke) und "Zoe" (Stinkefinger) am 4.1.2025
Erst der Sentürk-Aufmarsch-Versuch am 22. März 2025 am Ostkreuz war das Ereignis, auf dem die meisten DPV-Aktiven vertreten waren. Hier liefen Mandy Gietz, ihre Tochter, Jason Hammerstein, Leonie Köpke, Lucas Justin Glaser, Zoe, „Unbekannt 2“ (Celine), „Unbekannt 4“ (Moritz) und „Unbekannt 11“ mit. Mehrere aus der Gruppe übernahmen auf der Kundgebung Funktionen. Während Glaser als Ordner auftrat, hielten Hammerstein und Köpke Transparente. Es brauchte noch drei weitere Monate, bis die Gruppe mit dem Namen DPV und eigenen Aktionen an die Öffentlichkeit ging.
Foto 1: Lucas Justin Glaser (rechts), Foto 2: Jason Hammerstein (2.v.l.)
Weitere namentlich bekannte Personen und deren Wirkungsräume
Seit Beginn bei DPV dabei ist Luca Nitzschke aus Hohenschönhausen. Der BFC Dynamo-Fan, war schon länger in der Clique aktiv und bei fast jeder DPV-Aktivität, zuletzt beim Heimat-Aufmarsch im November 2025 dabei. Er engagiert sich bei der Jugendfeuerwehr Wartenberg. Die der Feuerwehrverband zur aktiven Neonazis steht, ist nicht bekannt.
Auch der Neonazi Ron Loup ist Teil der DPV. Bis 2023 war er Baseballer bei den Berlin Skylark und ist aktiver Fan von Hertha BSC. Auch er war bei allen von der DPV organisierten Veranstaltungen dabei. Noch im Dezember 2025 wurde er in einer DPV-Gruppe gesehen.
Ein Beispiel, wie Neonazis versuchen, Dominanzräume zu schaffen und weitere Jugendliche für ihre Gruppen zu agitieren ist das OSZ Natur & Umwelt „Peter Lenné“ in Zehlendorf. Dort macht neben anderen Neonazis auch Lucas Justin Glaser seine Ausbildung. Hier macht er keinen Hehl aus seiner Ideologie und macht Werbung für die DPV. Auch die Toilettenräume wurden mehrfach mehr Tags mit dem Gruppennamen und Parolen wie „Antifas töten“ beschmiert. Zuletzt wurden in der Schule geritzte Hakenkreuze gefunden. Eine Verbindung mit dem organisierten Neonazis ist naheliegend.
Austritte und Bedrohungen
Inzwischen zeigt sich, wie wenig gefestigt die jungen Gruppenstrukturen sind. Es gab eine Reihe von Austritten und entsprechend dem autoritären Charakter der Organisierungen, werden diese mit Drohungen und Einschüchterungsversuchen quittiert. Auf der DPV Instagram-Seite gibt es eine eigene Rubrik für ausgetretene Mitglieder, die dort bedroht werden.
Eine der ersten Distanzierungen von der Gruppe kam von Emmi S., deren letzte Aktion am 28. Juni 2026 der Aufmarsch in Hellersdorf war und deren Austritt mit Drohungen und Diffamierungen gegen sie quittiert wurde. Sie sei "in die Drogen Szene reingerutscht" (sic!), habe deshalb Demo-Verbot bekommen und habe dadurch "die Seiten gewechselt".
Cassy (im 1. Recherche-Text „Unbekannt 7“) wurde am 26. Dezember 2025 sogar öffentlich mit dem Account der DPV auf Instagram als angebliche "Linksradikale" geoutet. Die letzte Kundgebung, bei der sie gesichtet wurde, war am 1. September 2025 bei der Verabschiedung von Julian Milz am Knast.
Zwei weitere Personen „Marco“ und „brandenburger_14478“ wurden ebenfalls öffentlich als Überläufer geframed, sie hätten "die Seiten gewechselt" und vor weiterer Interaktion mit ihnen auf Social Media werde gewarnt, denn "viele von euch folgen [ihnen] noch".
Eine der aktivsten aus dem Kreis der DPV kündigte Ende 2025 ebenfalls ihren Rückzug an. Leonie Köpke aus Neustrelitz war bei den meisten Veranstaltungen dabei, trat oft mit Megafon in Erscheinung und wurde in Cottbus mit Gruppenshirt gesehen. Am 30. Dezember 2025 behauptete sie, nicht mehr aktiv werden zu wollen. Sie distanziert sich dabei öffentlich und gibt selbst einen Gesinnungswandel an. Sie " habe ihre Denkweise überdacht" und werde "ihre Einstellung zu vielem ändern", aber nicht " zum politischen" - bevor es einen Aufschrei gäbe. Sie endet ihre Verkündung mit dem Aufruf zu "Liebe statt Hass". Wie glaubwürdig diese halbherzige Abkehr ist, wird sich dieses Jahr zeigen.
Presse recherchiert weiter
In Folge unserer Rechercheveröffentlichung veröffentlichte der RBB am 29. Dezember 2025 einen längeren Artikel über die Neonazi-Jugendcliquen in Berlin. (Link: https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/12/berlin-rechtsextremismus-gr...)
Darin wird aufbauend auf Antifa-Rechercheinfos zur DJV, der “III. Weg”-Jugend NRJ und DPV das LKA und die Registerstellen von Treptow-Köpenick und Lichtenberg befragt. Während die Registerstellen auf die Gefährdung durch die Gruppierungen in ihren Bezirken hinweisen, behauptet das LKA, dass die DPV nach der Verhaftung ihrer Führungsfigur Mandy Gietz und “weiteren Maßnahmen [...] als nahezu vollständig zerfallen” gelte.
Dass das einen Satz vorher beschriebene Treffen der DPV mit zwei weiteren Neonazigruppen anderthalb Monate nach der Inhaftierung Gietz’ stattfand, gibt dem RBB-Redakteur nicht zu denken, die LKA-Selbstbeweihräucherung infrage zu stellen. Die Dynamik der Gruppe spricht eher für eine Festigung des verbliebenen Aktivistenkerns.
Aktuelle Entwicklungen
Seit dem vorangegangenen Artikel (17. Dezember 2025) ist wenig in der Berliner Neonaziszene passiert. Der III. Weg und seine Jugendorganisation war mit dem Strafprozess um ein NRJ-Mitglied beschäftigt. Die im November 2025 gegründeten „Berliner Patrioten“ (BP) hielten nach dem Brandanschlag auf die Stromleitung eine Kundgebung mit 14 Teilnehmenden ab. Die DJV veranstaltete am 17. Januar 2026 ein Neujahrstreffen in der „Heimat“-Zentrale in Köpenick.
Bereits Ende 2025 verkündete die DPV die Gründung einer „Division Nord West“. Doch weder auf deren Social Media Auftritt noch in der Öffentlichkeit waren von dieser Struktur bisher relevante Aktivitäten zu verzeichnen. Mit Bezug auf den RBB-Text ließ die DPV verlauten, dass sie von staatlicher Repression betroffen war, aber jetzt „stärker zurück sei als je zuvor“. Dafür wurde auch weiterer Gruppenmerch – Aufkleber, Fahnen, Schlüsselbänder und Kugelschreiber - produziert. Garniert war der Text mit dem Aufruf, jetzt Mitglied zu werden. Der Positionierungsdruck in Anbetracht der aktiven Neonazicliquen in Berlin scheint immens zu sein.
Zusammen mit der „Berliner Jugend“ und den BP mobilisierte die DPV am 16. Januar 2026 öffentlich zu einer Störaktion gegen eine linke Anti-Repressionsdemo in Kreuzberg. Die etwa 15 anreisenden Neonazis wurden am Moritzplatz mit Pfefferspray vertrieben. Bekannte DPVler waren nicht vor Ort. Am selben Tag, den diese Aktion gegen Maja unter dem Motto "Gewalt wird bestaft" stattfand, postete die DPV auch die Parole "Freiheit für M" (für Mandy Gietz, die auch wegen Gewalttaten im Gefängnis sitzt). Der Widerspruch fiel den Neonazis offensichtlich nicht auf.
Weitere namentlich noch nicht bekannte DPV-Aktivist*innen:
Diese Recherche soll Ausgangspunkt für weitere Infos und Aktionen gegen diese und andere Berliner Neonazi-Gruppierungen sein. Die Neonazis können nur so frei agieren, wie wir sie lassen.
In dem Sinne: Organisiert euch und zerschlagt die Nazibanden!
Informationen zu der Truppe können an recherche_pankow@systemli.org gesendet werden.
Vielen Dank allen Recherche-Fotograf*innen.
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