Übersicht der Berliner Neonazis bei Anti-CSD-Protesten
Wir stecken mitten in der CSD-Saison. Wie wir in den letzten Jahren beobachten konnten, haben Neonazi-Strukturen Pride-Veranstaltungen immer wieder für eigene queerfeindliche Aktionen genutzt. Zeit also einen Blick auf die diesjährige rechte Mobilisierung in Berlin und Brandenburg zu werfen.
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CSDs locken insbesondere aktionsorientierte jugendliche Neonazis an. Sie können sich dem linken und queeren Feindbild "entgegenstellen" und sich selbst als "Beschützer" von vermeintlich traditionellen heteronormativen Familienbildern inszenieren. Besonders im Jahr 2024 konnten wir größere rechte Mobilisierungen zu Anti-CSD-Veranstaltungen aus einem Jungnazi-Spektrum beobachten. Sowohl Organisator*innen als auch Teilnehmer*innen solcher Gegenaktionen kamen überwiegend nicht aus ideologisch gefestigten, rechten Strukturen, sondern wurden eher durch den allgemeinen rechten, queerfeindlichen Grind auf social media radikalisiert. Viele junge Nazistrukturen unter verschiedenen Labels organisierten und rekrutierten sich vor allem über Instagram. Doch schon 2025 war zu sehen, dass die Jungfaschos Schwierigkeiten hatten, an die Mobilisierungserfolge von 2024 anzuknüpfen. Rechte Aufmärsche mit deutlich geringeren Teilnehmerzahlen trafen in 2025 auf besser vorbereitete CSDs und noch mehr queere Solidarität.
Wie sieht es aber in diesem Jahr aus?
Bisher organisierten Berliner und Brandenburger Nazis Demonstrationen gegen den CSD Frankfurt (Oder) am 30.5. und den CSD in Eberswalde am 13.6. Danach versuchten sie sich an einer nicht angemeldeten Störaktion gegen die East Pride in Mahrzahn, die aber völlig in die Hose ging und damit endete, dass die 6 Faschos in einer polizeilichen Maßnahme landeten. Weiterhin mobilisierten sie zum CSD in Bernau am 27.6., der aber aufgrund der hohen Temperaturen abgesagt wurde. Am 03.07.2026 marschierte eine kleine Gruppe von Neonazis auf dem Gehweg gegen eine Pride-Veranstaltung in Müncheberg. Auch diese Aktion endete für vier Faschos mit Festnahmen. Es gibt also immer noch ein Neonazispektrum, das sich auf die CSDs versteift. Abseits der Proteste gegen Prideveranstaltungen haben die involvierten Faschogruppen in diesem Jahr bisher keine weiteren eigenen Aktionen organisiert.
Wer sind die Akteur*innen hinter den Gegenmobilisierungen?
Aus Berlin mobilisieren vor allem junge Neonazi-Strukturen wie die "Jägertruppe" oder "Deutsche Patrioten Voran" zu den Anti-CSD-Aktionen. Die Gruppierung "Deutsche Jugend Voran", deren Mitglieder besonders im Jahr 2024 und 2025 präsent auf rechten Aufmärschen waren, spielt in diesem Jahr kaum noch eine Rolle. Nur einige wenige Gesichter sind der DJV zuzurechnen. Viele Personen aus diesem Spektrum haben sich aufgrund von veränderten Lebenslagen, Repression und auch antifaschistischer Intervention zurückgezogen bzw. sind in Haft. Andere haben zuletzt vor allem die Anbindung zur Partei "Die Heimat" gesucht. Jedoch haben sich weder "Die Heimat" noch der "Dritte Weg" bisher auf den Anti-CSD-Aktionen blicken lassen. Yvette Koteczka der DJV ist allerdings weiterhin aktiv, nun aber häufiger mit ihrer Tochter Cécile und der "Jägertruppe" unterwegs. Die "Jägertruppe" ist eine relativ neue Struktur, die sich erst Mitte 2025 gründete. Die Anti-CSD-Aktionen nutzen sie zur rechtsextremen Selbstinszenierung, bundesweiten Vernetzung und um erste Erfahrungen mit der Organisation eigener Versammlungen zu bekommen. So reisten Darius Buchholz und Tim Hofmann zu einem Aufmarsch gegen den CSD in Pforzheim, um sich mit dortigen Neonazis zu vernetzen.
Aus Brandenburg sind Strukturen aktiv wie die Bruderschaft "Wolfsschar" und "Sektion Oderland". Die Verbindung zwischen jüngeren Berliner*innen und den älteren Neonazis aus Brandenburg kam wahrscheinlich durch Mandy Gietz und ihre Familie zustande. Mandy Gietz ist schon länger in rechten Szenen unterwegs und wohnt selbst auch in Brandenburg (Manschnow). Für ihre neonazistischen Aktivitäten saß sie bis März 2026 in U-Haft. Seitdem sie entlassen wurde, ist auch von der DPV wieder mehr zu sehen. Besonders Mandy Gietz tritt immer sehr präsent auf deren Demos und Aktionen auf. So haben sie und Siegfried Pauly von der Wolfsschar sowohl beim CSD in Frankfurt als auch in Eberswalde die Moderation übernommen. Diese älteren Personen nehmen also sichtbar Führungsrollen ein, auch wenn die DPV ansonsten hauptsächlich aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen besteht.
In Müncheberg am 3. Juli kam es zwischen den Neonazis und der Polizei zu einem brutalen Handgemenge. Auch dabei waren Thomas Rothe und Andreas Rischkau von der AfD Brandenburg. Beide sind tätig im AfD-Verband von Müncheberg und nehmen dort verschiedene Funktionen ein. Thomas Rothe sitzt außerdem im Kreistag von Märkisch Oderland. Auch hier zeigt sich die personelle und inhaltliche Überschneidung zwischen der AfD und außerparlamentarischen neonazistischen Strukturen.
Der Trend von 2025, dass die CSD-Gegendemos nicht mehr eine so starke Anziehung für viele Jugendliche hatte, bestätigt sich auch dieses Jahr. Sowohl in Frankfurt als auch in Eberswalde sind jeweils nur 47 Neonazis zu den Demos erschienen, in Müncheberg waren es trotz Mobilisierung gerade mal 25. Es zeigt sich, sie können eigentlich nur innerhalb ihrer eigenen Strukturen mobilisieren. Der Anteil älterer Neonazi-Kader hat im Verhältnis zu den Jugendlichen zugenommen. Diese übernehmen zudem mehr Funktionen bei der Organisierung und Durchführung von Demos und Aktionen. Während also 2024 noch vor allem junge, unorganisierte Jugendliche das Bild der Anti-CSD-Demos prägten, hat sich das im Jahr 2026 verändert. Es sind vor allem die bereits ideologisch gefestigten und organisierten Neonazis, die sich für die queerfeindlichen Aufmärschen versammeln.
CSDs - die progressivste Bewegung in Brandenburg
Dagegen zeigen sich die CSDs stärker und vielfältiger als je zuvor. Sie stellen momentan die progressivste Bewegung in Brandenburg dar, weil hier sowohl die Anzahl der Teilnehmenden als auch die der Veranstaltungen steigt. Die queere Bewegung erschließt sich neue Räume und Städte und schafft Organisierungsangebote, oft in Zusammenarbeit mit vor Ort bereits etablierten linken Bündnissen und Akteur*innen. So werden auch Menschen aktiviert, die bisher eher weniger politisch präsent waren. Während andere Themen wie Antifaschismus und Rechte von Geflüchteten sich in einer Verteidigungshaltung befinden, macht die queere Bewegung Schritte nach vorn und schafft Sichtbarkeit selbst in Orten, wo Nazis und eine rechte Haltung vieler Bewohner*innen zum Alltag gehören. Das zeigt: Wir lassen uns von diesem mickrigen Neonazi-Aufgebot weder die erkämpfte Straße noch unseren Zusammenhalt nehmen.
Zum Weiterlesen:
/recherche/1904-3-juli-2026---anti-csd-aufmars...
/recherche/1903-20-juni-2026-nazi-straktionen-...
/recherche/1900-13-juni-2026---anti-csd-aufmar...
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