Drei Jahre Anti-CSD-Naziprotest in Berlin – drei Jahre Misserfolg

31. Juli 2026 | Fight Back - Antifa Recherche Berlin-Brandenburg

Im Vordergrund der Berichterstattung über den Berliner CSD 2026 steht derzeit der schreckliche islamistische Anschlag, der einer Mutter aus Polen das Leben kostete und viele weitere Personen verletzt und traumatisiert zurück ließ. 
Im Vorfeld gab es weitere queerfeindliche Angriffe. So wurde auf Teilnehmende mit einer Airsoftpistole geschossen und erneut gab es Störaktionen von Berliner Neonazis. Um diese einzuordnen, gibt es hier einen Rückblick auf die Neonazi-Aktionen der letzten Jahre. 

Die Vorgeschichte
Am 27. Juli 2023 versuchte eine zehnköpfige Gruppe von Neonazis am Alexanderplatz abströmende Teilnehmer*innen des Berliner CSDs gewalttätig anzugreifen. Sie waren vermummt und mit Glasflaschen bewaffnet. Zwei Späher sicherten die Aktion nach außen ab. Die Angreifer konnten als Mitglieder des „III. Weg Berlin“ identifiziert werden. 
[Artikel 2023]

2024 – der erste Versuch neuer Neonazi-Strukturen
Im Jahr 2024 gründete sich die „Deutsche Jugend voran“ (DJV) und führte zu einer neuen Dynamik in der Neonaziszene. Vorrangig über soziale Medien wurden junge rechtsorientierte Jugendliche mobilisiert und zu niedrigschwelligen Aktionen eingeladen. Ein zentrales Thema war von Anfang an die Agitation gegen CSDs und Prides. Die erste wahrnehmbare Aktion von DJV war eine versuchte Störaktion am 27. Juli 2024 beim Berliner CSD. 38 Neonazis trafen sich dafür im Umfeld des Potsdamer Platzes und wurden dort von der Polizei festgesetzt. Mit dabei waren neben dem DJV-Chef Julian Milz auch Christopher Wetzels und Luka Zechel. Die Aktion erregte Aufmerksamkeit in der Lokalpresse und bei interessierten Antifaschist*innen, den CSD mit seinen mehreren hunderttausend Teilnehmenden beeinträchtigte sie nicht. 
[Artikel 2024]

2025 – Festigung der Zusammenhänge
Im Folgejahr meldete die DJV eine Gegenkundgebung zum Berliner CSD am 26. Juli 2025 an. Mit dabei waren 49 Neonazis, die sich aus der DJV, der Berliner „Heimat“ sowie neu gegründeten Strukturen, wie „Berliner Jugend“ (BJ) und „Deutsche Patrioten voran“ (DPV), rekrutierten. Der DJV-Chef Julian Milz saß zu dieser Zeit wegen mehrerer Gewalttaten in Untersuchungshaft und die Aktion wirkte sichtlich unkoordiniert. Die Neonazis bildeten aus ihren Transparenten einen Kokon, um sich gegen die zahlreich vertretene Presse abzuschirmen. Am Rande kam es zu mehreren Verhaftungen von Teilnehmer*innen. 
Auch von dieser Kundgebung ging keine Störung für den Berliner CSD mit seinen 500.000 Teilnehmenden aus. 
[Artikel 2025]

2026 – Öffentlicher Ausdruck eines Niedergangs
Die Mobilisierung gegen den diesjährigen Berliner CSD zeigte die aktuelle Schwäche der Berliner Neonaziszene. Nach den Razzien bei der DJV ist diese nicht mehr wahrnehmbar. Die DPV und „Jägertruppe“ (JT) versuchen, diese Lücke zu füllen, aber scheitern gleich mehrfach. Zum einen verfügen sie nicht über die Führungspersonen, um die mobilisierbaren Neonazis an sich zu binden, zum anderen sind sie nicht in der Lage, strategische Schlüsse aus früheren Niederlagen zu ziehen. Während zu dem Naziprotest gegen den Berliner CSD am 25. Juli 2026 mit KI-Bildchen von Deutschlandfahne-schwingenden Menschenmassen vor dem Brandenburger Tor mobilisiert wurde, fanden sich vor Ort lediglich 18 Neonazis der beiden Gruppen ein. Weder „Heimat“ oder „III. Weg“ noch die Brandenburger Neonazis, die DPV und JT bei ihren Protesten in den letzten Monaten unterstützt hatten, sahen sich genötigt, an der Versammlung teilzunehmen. Stattdessen liefen die Neonazis wieder in die politisch gewollte Repression, die wahrnehmbaren Naziprotest am Rande der Veranstaltung zu unterbinden hatte. Mehrere der anwesenden Neonazis bekamen Anzeigen wegen Bewaffnung und Beleidigung. Eine zweite, für Abends angekündigte, Kundgebung wurde kurzfristig abgesagt. 
[Artikel 2026]

Berlin ist nicht Bautzen oder Chemnitz. Die aktiven Neonazis treffen hier auf eine politische Stadtgesellschaft und eine große queere Szene, die Bilder wie in der ostdeutschen Provinz mit bedrohlichen Neonazi-Gegenmobilisierungen nicht möglich machen. 
Der Blick auf die Stimmung gegenüber Queers in den Randbezirken zeichnet schon ein anderes Bild. Von hier aus rekrutiert sich auch ein Großteil der Berliner Neonazis. Auch in Marzahn-Hellersdorf versuchten die Neonazis Störaktionen gegen lokale Pride-Veranstaltungen. Weiterhin bleibt anti-queere Agiation eines der Hauptrekrutierungsfelder der Neonazigruppen, doch der Protest gegen den Berliner CSD ist ein fortgesetztes Mahnmal des Scheiterns für die Neonazi-Strukturen. 
Die Erfolglosigkeit der Anti-CSD-Proteste in Berlin darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gruppen wie DJV, JT und DPV nur das sichtbarste Zeichen eines gefährlichen Rechtstrends unter Jugendlichen ist. Diese Politisierung mit Nationalismus, Rassismus und anti-queerem Ressentiment zeigt sich bundesweit und drückt sich in einem Anstieg von Propaganda, Veranstaltungen, in rechter Raumnahme, Bedrohungen und Gewalt aus. 

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