Oberösterreicher Germane Prof. Dr. Kienberger

6. Juli 2013 | News Redaktion

"Ich weiß, dass viele Leute im Nationalsozialismus gehofft haben, ihre nationalen Ideen zu verwirklichen. Ich als nationaler Mensch lehne ihn aber auch deswegen ab, weil der Nationalsozialismus eben nicht national war. Wenn man sich ansieht, was die NS-Regierung mit Südtirol aufgeführt hat, dann ist das entschieden nicht national..." (Interview mit Kienberg im ECHO Salzburg)

Im Februar wurde dem AStA geleakt, dass ein extrem rechter Burschenschafter Professor an der TU werden will. Bekannt war es noc nicht und die Info kam völlig überraschen - doch nun wurde recherchiert. Schnell ergab sich ein Bild von Prof. Dr. Kienberger welches eigentlich keinen anderen Schluss zu lässt als sich einig darüber zu sein, dass dieser Mann nicht TU und besser auch nirgends sonst Lehre betreiben sollte.

Aber was ist jetzt eigentlich das Problem mit dem Burschen?

Kienberger ist Alter Herr der Burschenschaft „Oberösterreicher Germanen“ Wien, diese vertritt revanchistische Standpunkte. So lehnt sie die Beneš-Dekrete ab und streitet, ähnlich wie die rechte Band Frei.Wild, für ein unabhängiges Süd-Tirol. Dabei rühmt sie sich offen der Kooperation mit der Burschenschaft Brixia Innsbruck, der Verbindungen in terroristische Kreise nachgewiesen wurden. Darüber hinaus sind die „Germanen“ Mitglied des Wiener Korporationsrings (WKR), welcher zum rechten Rand der Szene zählt und gegen dessen Festball jedes Jahr ein breites Bündnis auf die Straße geht. Die WKR-Mitglieder bekennen sich zu „Volkstum“ und „abendländischer Gemeinschaft“, trauern am 8. Mai, dem Tag der deutschen Kapitulation, um die Gefallenen der Wehrmacht und wünschen sich als einen deutschen Staat in den Grenzen von 1939.

Kienberger selbst war zudem Vorsitzender des FPÖ-nahen Rings freier Studenten, der (nicht nur) während seiner Amtszeit mit rassistische Äußerungen auffiel. Kienberger macht keinen Hehl aus seiner Gesinnung: In einem österreichischen Magazin bezeichnet er sich offen als „deutschnational“. Die Tatsache, dass er gebürtiger Österreicher ist, setzt dieser befremdlichen Selbstzuschreibung lediglich die Krone auf. Im selben Interview hetzt er gegen das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) mit den Worten „für mich eine von Linksextremisten gegründete Privat-Stasi“. Das DÖW informiert über die Geschichte des Holocaust, Nationalsozialismus, Exil und Wi- derstand und wurde dafür mehrfach ausge- zeichnet.

Kienberger gehört damit zu den Burschen- schaften die offen deutschnational auftre- ten und deren Verbindungen Geschichtsrevisionismus betreiben. So ist es in diesem Fall in der Öffentlichkeit meist leichter eine Zustimmung für die Ablehnung zu bekommen. Weitaus schwieriger ist es Studentenverbindungen und Burschenschaften, sowie ihre Mitglieder anzugreifen und hierfür Unterstüt zung zu erhalten, wenn sich ihnen keine extrem rechten Umtriebe nach weisen lassen. Dabei sind die Mechanismen in fast allen Verbindungen die gleichen. Es handelt sich um elitäre Bünde, die es mit Hilfe von „Seilschaften“ ermöglichen, sich gegenseitig bei der Karriere zu unterstützen. Diese Bünde tragen, noch verstärkter als die Uni versität selbst dazu bei, dass eine Trennung zwischen universitärer Elite und den „Anderen“ aufgemacht wird, die sich bis in den Beruf fortsetzt. Die Elite rekrutiert sich hierbei ausschließlich aus Männern: Alle relevanten Studentenverbindungen und Burschenschaften nehmen ausschließlich Männer auf. Damenverbindungen haben keinerlei Relevanz und sind in den großen Dachverbänden nicht  vertreten. Davon abgesehen vertreten auch sie ein sehr konservatives Rollen verständnis. Frauen werden nicht als gleich wertige Menschen, sondern entweder als „schmückendes Beiwerk“ oder als Mütter des nationalen Nachwuchses kategorisiert. Auch wenn hier und da von gesellschaftlicher Veränderung im Korporationsspektrum die Rede ist: Bei genauen Betrachtungen wird deutlich, dass rechte Verbände fast alle Debatten dominieren.

Darüber hinaus ist es die Vorstellung einer Elite selbst, die es anzugreifen gilt. Eine Trennung in einige Wenige mit mächtigen Instrumenten auf der einen und eine große Masse ohne jeglichen Einfluss auf der anderen Seite, kann keine solidarische Lösung gesellschaftlicher Probleme sein. Leider halten Verbindungen jedoch genau an solch einem elitären Denken fest. Strenge Hierarchien (selbst beim abendlichen Bier) und das Lebensbundprinzip prägen das Leben in Studentenverbindungen. Welcher Art von Verbindung sie angehören und wie weit rechts sie dabei stehen spielt letztendlich keine Rolle.

Nicht nur wegen der Geschichte der TU muss für eine ganz andere Universität ge stritten werden: Alle Menschen sollen lernen dürfen, alle Menschen sollten sich äußern können, alle Menschen sollten miteinander streiten  miteinander streiten können. Grundsätze die es, wie es scheint, aber erst zu erkämpfen gilt – dabei stehen uns (nicht nur) Verbindungsstudenten im Weg.

Die Bewerbung Kienbergers ist nur ein Beispiel dafür, dass Burschenschafter und sonstige Korporierte ihr Unwesen überall in unserer Gesellschaft treiben, mit Vorliebe auf den, mit Macht ausgestatteten Posten. Kurz vor der Kienberger Affäre kursierte der Fall um den Berliner Sozialstaatssekretär Bügge (CDU) durch die Medien. Er ist seineszeichens Verbindungsbruder der ebenfalls rechten Berliner Burschenschaft Gothia.

Das Berufungsver fahren läuft noch immer. Aus politischen Gründen ist es nicht möglich dem Alten Herrn den Posten zu verwehren. Deshalb ist es an uns ihm die Suppe so sehr zu versalzen, dass er nirgends mehr Lehre machen möchte. Wissenschaft ist ohnehin nicht neutral – wir passen nur auf, dass sie nicht zu weit nach rechts rutscht!

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Erstveröffentlichung auf ASTA-Info Nr. 24 am 25. April 2019