Vorfeldaktionen rund um die Silvio-Meier-Demo

20. November 2015 | News Redaktion

In den letzten Tagen und Wochen gab es im Vorfeld der anstehenden Silvio Meier Demo (am 21. November) mehrere Aktionen und Veranstaltungen in Marzahn-Hellersdorf.

Zum einem wurden über 35.000 Flyer im Umfeld der diesjährigen Demo-Route verteilt. Darin wurde auf die Demo hingewiesen und informiert, des Weiteren beinhalteten sie eine Einladung zu einer Informationsveranstaltung im Bezirk. Die Diskussionsveranstaltung fand am 13. November im Marzahner Kiez statt. Zwar waren die Teilnehmerzahl der Veranstaltung überschaubar, dadurch konnte aber eine äußerst lebhafte und offene Diskussion über die Probleme und Bedürfnisse der Anwohner*innenschaft im Zuge der Eröffnung der Geflüchtetenunterkünfte im Stadtteil entstehen. Als Resümee des Tages bleibt, dass gerade der fehlende Austausch zwischen Anwohner*innen und Aktivist*innen zu einer Verhärtung der Fronten geführt hat, die es nun wieder aufzubrechen gilt.
Zum anderen gab es an verschiedenen Tagen und Orten, wie zum Beispiel an der Alice-Salomon Hochschule oder dem Eastgate Infostände, bei denen Informationen zur Demonstration, sowie zu Fluchtgründen und Ursachen verteilt wurden und Marzahner*innen eingeladen wurden sich den Aktionen anzuschließen.

Die bedeutendste Vorfeldaktion fand am gestrigen Mittwoch, den 18. November, statt. Hier riefen verschiedene Gruppen zu einem Kiezspaziergang durch Marzahn auf. Anlass war das Gedenken an die von Nazis ermordeten Nguyễn Van Tu und Nguyen Tan Dung. Beide wurden aus rassistischen Motiven auf Marzahner Straßen umgebracht, jedoch erinnert sich kaum jemand an diese beiden Menschen und ihre Geschichten. Die Gedenkkundgebung sollte ein Beginn für ein würdiges Gedenken sein.

Nguyễn Văn Tú wurde am 24. April 1992 im Brodowiner Ring von dem Neonazi Mike Lillge niedergestochen und erlag kurze Zeit später im Krankenhaus seinen schweren Verletzung.
Anfang 2008 ereignete sich ein weiterer Mord. Der drogenabhängige Rassist Tino W. erstach in der Marchwitzastr. den Zigarettenverkäufer Nguyen Tan Dung.
Zum Gedenken versammelten sich 50 Antifaschist*innen am Bahnhof Marzahn. Von dort fuhren wir gemeinsam zum Brodowiner Ring. Nach mehreren Redebeiträgen wurde ein Kranz am Ort des Mordes niedergelegt. Im Anschluss fuhr die Gruppe weiter Richtung S-Bahnhof Springpfuhl. Hier wurde im Rahmen einer weiteren Kundgebung an Nguyễn Tấn Dũng erinnert.
Für beide Toten wurden an den Tatorten Kränze und Blumen niedergelegt. Antifaschist*innen erinnerten mit einem Schriftzug an der Hauswand neben dem Tatort am Brodowiner Rin an Nguyễn Văn Tú.

D er Mord an Văn Tú geschah in einer Zeit, in der eine starke rassistische Grundstimmung in der Gesellschaft herrschte und in verschiedenen Orten wie Hoyerswerder, Mölln und Sohlingen Unterkünfte und Wohnhäuser brannten. Auch Silvio Meier wurde in dieser Zeit von Nazis erstochen.
Heute, 23 Jahre nach den Morden, ist die Stimmung eine Ähnliche. Fast täglich wird in den Medien von angegriffenen Geflüchteten oder abgebrannten Unterkünften berichtet , begleitet von einem Diskurs der Geflüchtete als Bedrohung beschreibt und die Hetze weiter anheizt. Restriktive Asylgesetze werden weiter verschärft, während der Mob vor den Asylunterkünften wütet.

Gründe genug für die am kommenden Samstag, den 21. November 2015, stattfindende diesjährige Silvio Meier Demo in Berlin-Marzahn. Hier finden seit über einem Jahr rassistische Demos, Kundgebungen und Übergriffe stattfinden.
Die Demonstration will ein Zeichen gegen diesen rassistischen Alltag im Kiez setzten, verantwortliche Nazis und RassistInnen benennen und an die Ermordeten erinnern.
Kommt daher zahlreich am Samstag zur Silvio Meier Mahnwache am U-Bhf Samariter Str. um 13:00 Uhr und im Anschluss um 15:00 Uhr zur Silvio Meier Demo am S-Bhf Marzahn.
Vortreffpunkt für die Demo ist 14:30 Uhr S-Bhf Ostrkeuz (Ausgang Sonntagstraße), und nach der Mahnwache U-Bhf Samariterstr.

Rassistische BrandstifterInnen stoppen! Antifa bleibt notwendig! In Gedenken an Silvio Meier!

Weitere Informationen unter:

Mobi-Video

Erstveröffentlichung auf Antifaschistisches Kollektiv Marzahn-Hellersdorf am 25. April 2019

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